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Immergut – Der Film

Premiere in Berlin [26.03.2010]

Vor dem Kino Babylon in Berlin Mitte, nur einen Steinwurf von der Volksbühne entfernt, versammeln sich am Abend des 25. März aufgeregte Indie-Mädchen und -Jungen. Anlass für das Treffen ist die Premiere der Musikdokumentation über eines der liebenswürdigsten Festivals im Umkreis von Berlin: Das Immergut im mecklenburgischen Neustrelitz.


Zum zehnten Geburtstag, den das Immergut im letzten Jahr gefeiert hat, versuchte der Regisseur Hagen Decker die entspannte Stimmung des Ereignisses einzufangen und den Gefühlen und Werten der Beteiligten ein Gesicht zu geben.
 
Doch zunächst der Reihe nach: Der angekündigte musikalische Überraschungsgast des Abends entpuppt sich als die Sinnbus-Band Hundreds. Spärlich beleuchtet und mit minimalistischen Videoschnipseln im Hintergrund entwickelt das Duo klavierlastige Klangteppiche, über die sich tieflagiger weiblicher Gesang setzt. Visuell auf die schemenhaften Gestalten der Musiker fixiert, werden Teile des Publikums in Anbetracht des bevorstehenden filmischen Ereignisses zunehmend unruhig.
 
Kein Wunder, denn die meisten Kinobesucher sind sich darüber bewusst, dass sie selbst Gegenstand der musikkulturellen Betrachtung sind. Und der mit Spannung erwartete Film erfüllt die Erwartungen. Sonnenbebrillte Gesichter in Nahaufnahme und ekstatisch performende Bands in Zeitlupe entfachen sofort Lust auf den kommenden Festival-Sommer und wirken dennoch seltsam wehmütig. Das Publikum lacht, wenn es wohlbekannte Gesichter entdeckt, die ungewohnterweise auf der Kinoleinwand erscheinen. Oder wenn die interviewten Beteiligten unfreiwillig Komisches preisgeben und doch nur ehrlich sind. Aber die nostalgische Note wird der Film bis zum Ende nicht mehr los. Zuviel ist passiert.  
 
Das von den Veranstaltern mit viel Mut, einer ordentlichen Portion Naivität und unverrückbarem Tatendrang gestartete Fest ist schon lange seinen Kinderschuhen entwachsen. Aus den anfänglichen 300 Besuchern sind mittlerweile 5.000 geworden. Kapitän Kemper verlässt das Schiff, um sich anderen zeitintensiven Leidenschaften zu widmen, und die verbliebenen Matrosen müssen alleine weitersegeln. Man hat gelernt, bestimmte Klippen zu umschiffen und den meisten seiner Ideale treu zu bleiben. Dazu gehört es, nur Bands zu buchen, die man selber mag. Wer dort gewesen ist, weiß, was er bekommt und kommt gerne wieder.



Text: Christin Sydow
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