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So war das Hurricane 2009
Bildergalerie: Bad motherfucking schizos! [24.06.2009]
So sah's aus beim Hurricane
Foto: Arne Sattler
Freitag, 16 Uhr, Campingplatz: Das unlustige Grauen trägt eine C&A-Jeans, zerlatschte Pumas, eine grauenhaftgraue Jacke, einen Fünf-Euro-Haarschnitt und eine Meat-Loaf-Visage. Es nähert sich von links kommend der Imbissbude, unter deren Dach sich zwei Handvoll seiner Opfer gegen den Regen schützen wollen.
Es duckt sich gegen die stärker werdenden Windböen, nimmt seine Opfer ins Visier, setzt das dümmliche Angriffsgrinsen auf und schießt gleich los. Ohne Gnade, ohne Rücksicht, ohne Zögern: "Jetzt kommt der Hurricane zum Hurricane!" Die Wortsalve ist ein Volltreffer. Mundwinkel gehen in die Knie, Hirnwindungen verkrampfen sich, Schmerzensschreie werden ängstlich heruntergeschluckt, Lachmuskeln verfallen in Todesstarre. Doch die Attacke ist noch nicht vorbei - das Grauen legt nach: Ein lautes Lachen, ein nicht enden wollendes "Muchharrhaarrr" rollt über die ängstlichen Menschen hinweg, umweht von einem nach Dönertier und Zwiebeln stinkendem Atem...
Na gut: Vielleicht ist dieser Vorfall ein wenig pathetisch ausgewalzt. Aber trotzdem werden sich alle einig sein, dass der unlustigste Witz über das Wetter beim Hurricane endlich aus der Welt geschafft werden sollte. Und dass jeder, der ihn raushaut, und sich dabei auch noch dermaßen lustig vorkommt, einen Schlag an den Hals verdient hat.
Aber zum Wesentlichen: Während sich das Wetter von seiner wildesten und schizophrensten Seite zeigte, und einen immer wieder von der Sonnenmilch ins Regencape und zurück trieb, zeichnete sich das Hurricane 2009 durch einen erstaunlich hohen Entspanntheitsgrad aus - begleitet von einem Soundtrack, der sich ebenso schizophren präsentiere wie das Wetter.
So gab's neben der typischen Indie-Pop- und Rock-Rutsche auch sonnigen Ska-Punk, sowie breiteierigen Balla-Balla-Culcha-Hamma-Candela-Sound und schnuffig-duffygen Soul-Schnarch-Pop - um nur ein paar zu nennen. Rund 60.000 Menschen waren dabei laut Veranstalter am Start, die sich aber entweder besser verteilten als 2008 oder vielleicht doch gar nicht ganz 60.000 waren. Zumindest hatte man im Vergleich zum Vorjahr das Gefühl, dass diesmal genau die richtige Menschenmenge den Eichenring zu Scheeßel bevölkerte - und nicht drölftausend zuviel.
Für den Festivalauftakt auf der Hauptbühne sorgten The Horrors, die vor allem eines bewiesen: Publikumsinteraktion ist überbewertet (und meistens eh peinlich - vgl. Auletta am Samstag und The Living End am Sonntag). Walz das Publikum einfach mit einer Krachwelle aus Krautrock und Shoegazer-Goth um und sieh zu, wie die damit fertig werden. Mission accomplished. Was vor allem die Engländer in der ersten Reihe unterschreiben würden.
Katy Perry versuchte dann wenig später, allen zu zeigen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat und weiß, dass sie auf einem Festival spielt, das mal als Rockfestival begonnen hatte. Dafür hatte sie die schönsten Übungen aus dem Handbuch "Aerobic für Schweinerocker" und "Posen für Poser" einstudiert, zwei Kapitel aus "1,2,3 - Anzählen für Punkrocker" gelesen und sogar gelernt, wie man eine Gitarre hält - für's Spielenlernen derselbigen blieb dann leider keine Zeit. Dazu hatte sie sich dann was Nettes angezogen, mit viel Luft untenrum, was gut für die Beinfreiheit ist, und los ging's. So konnte man erleben, wie sie sich zwischen aufgeblasenen Luftriesenkatzen und pinken Flamingos als das präsentierte was sie ist: Ein seelenloses Pop-Maschinchen, das man allerdings zweifellos mit den richtigen catchy Tunes gefüttert hatte.
Alle Katy-Perry-Gutfinder gingen dann auch wenige Stunden später zu den Kings Of Leon, die inzwischen die Verwandlung vom seelenvollen Prediger-Blues-Rock-Kommando zu seelenlosen Stadion-Rock-Menschmaschinen abgeschlossen haben. Wenn "Sex On Fire" so dröge daherkommt, dann lieber keusch bleiben. Hach, wenn die nicht so verdammt geil aussähen! Denn das bleibt ihr großes Plus: Sex mit schönen Menschen redet man sich ja immer, äh, schön. Auch, wenn der dann vielleicht gar nicht mal so gut ist.
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Text: Daniel Koch
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









