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So war das Open Source
Sind Festivals Ländersache? [25.08.2008]
Junior Boys
Das Düsseldorfer „Festival für aktuelle Musik“ hat sich in den letzten Jahren zu einer Institution im Großraum Rhein/Ruhr gemausert. Dieses Mal gab es dem sogenannten Sommer zum Trotz Gelegenheit, trocken zu bleiben. Wieder einmal zeigte sich aber, dass es Festivals in der Stadt nicht so einfach haben wie auf dem Land- aus welchem Grund auch immer.
Die Leute setzen sich in Züge und Campingbusse und reisen viele hundert Kilometer in Gegenden ohne Autobahnanbindung. Wenn sich aber jemand traut, umfangreiche Ordnungsamtsbestimmungen auf sich zu nehmen und ein Open Air in Stadtnähe zu veranstalten, ist die Aufmerksamkeit ungleich geringer.
Im Westen, genauer in Köln, hatten darunter in den letzten Jahren unter anderem das S.O.M.A. und die Monsters Of Spex zu leiden, mittlerweile unternehmen die mutigen Leute vom Open Source ein paar Kilometer den Rhein hinab einen neuen, stilistisch leicht modifizierten Versuch – und hatten es in den letzten beiden Jahren trotz guter Vorarbeit und großartiger Billings ziemlich schwer.
Es war vor allem das Wetter, das viele Leute davon abhielt, in U-Bahnen und Regionalexpresse zu steigen und einen Teil der state of the art der elektronischen Musik zu erleben. Dieses Jahr konnte jeder trocken bleiben, der sich das Wassertreten im Löricker Freibad bei Temperaturen um die 20°C gerade noch so verkneifen konnte.
Das Strandbad Lörick ist als Festivallocation wirklich ausnehmend gut gewählt. Es ist fast schon idyllisch umwaldet, abseits größerer Wohn- oder Industriegebiete und direkt am Rhein gelegen und trotzdem innerhalb von 20 Minuten vom Hauptbahnhof Düsseldorf aus zu erreichen. Auf der sonst als Liegewiese genutzten Fläche stehen die beiden sicher nicht überdimensionierten Bühnen. Immerhin war die Nu-Rave-Crowd ziemlich zahlreich erschienen und machte die jungen Schweden Slagsmalsklubben mit ihrer exaltierten Bühnenshow und den mehr als ausgefallenen Outfits zu den ersten Gewinnern des Festivals, nachdem die Düsseldorfer Lokalmatadoren Kreidler zwar ein großartiges Set mit neuen Stücken abgeliefert hatten, die Tanzwut der deutlich von Digitalism und Justice geprägten Szene nicht wirklich bedienen konnten.
Eigentlich ist HipHop auch immer eine wichtige Komponente des Open Source gewesen, dieses Jahr hatten es die entsprechenden Acts auf der zweiten Bühne aber schwer. Deutlich weniger Leute als Slagsmalsklubben zuvor wollten das J-Dilla-Gedächtnisset seines Detroiter Protegés Guilty Simpson zusammen mit dem grandiosen und beschämend jungen Düsseldorfer DMC-Weltmeister DJ Rafik sehen, obwohl gerade Simpson unter der Anfeuerung von ein paar Die-Hard-Fans zu Hochform auflief, deutlich überzeugender als noch auf seinem kürzlich erschienen Album „Ode To The Ghetto“. Nebenan ließ DJ Feadz auch ohne die kurzfristig erkrankte Uffie eine deutlich größere Crowd kochen. Und auch der obskur vermummte und wohl ziemlich exklusive Auftritt des MC-Altmeisters Blowfly zusammen mit Otto von Schirach half nicht, die HipHop-Stage angemessen zu füllen.
Als es dunkel wurde, gab es noch den einzigen Popsong-Act und Headliner-Auftritt der kanadischen Junior Boys um den Smudo-Look-alike Jeremy Greenspan, die vor allem durch ihren wunderschönen Elektropop inklusive einiger neuer Stücke, wieder aber nicht durch eine besonders ansprechende Bühnenshow zu gefallen wussten. Trotzdem - ein hymnischer und erhebender Tagesabschluss aus sanftem Soul und vornehmen 1980er-Anleihen.
Eine Bildergalerie vom Open Source gibt es hier zu erleben.
Text: Christian Steinbrink / Andrea Anez

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