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So war die Juicy Beats

Von wegen alte Tante [04.08.2008]

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Die Juicy Beats in Dortmund ist wohl das sozialdemokratischste Festival Deutschlands. Gelegen im Westfalenpark, der seit den späten 50ern die Dortmunder mit Blumenbeeten und reichlich Grillplätzen versorgt, halten sich seit dreizehn Jahren Programm und Eintrittspreise nicht zuletzt dank städtischer Unterstützung die Waage. Und so sind sie alle gekommen: die Hipster in bunten Leggings, das 3-Tage-Wach-Publikum und junge Familien, die mit ihren Kinder das Festivalgelände für ein Picknick nutzen. Selbst der politisch angeschlagene SPD-Oberbürgermeister nutzte die Gunst der Stunde für einen Spaziergang im Park.


 Trotz alledem: die Juicy Beats ist ein Festival zum zigfachen Hände-in-die-Luft-werfen. Besonders gern praktiziert wurde dies an der MySpace-Bühne, gebaut eben für junge Bands mit Profil, aber ohne Plattenvertrag. Wenn die Auswahl repräsentativ ist, dann muss man konstatieren: MySpace ist in der Hand von Kitsuné-Fans. Die Kölner Malk benutzen für ihr Fantum Laptops von der Stange und präsentieren sich modebewusst mit hochgeklappter Baseball-Kappe. Schwefelgelb verquicken 8-Bit-Sounds und Goth-Tanzschritte zu einem deutschsprachigen New Wave-Mix, der in guter Düsseldorfer Tradition so begeisternd elegant wie sinnentleert wirkte. 

Störend war dies allerdings nicht, denn wer die persönliche Festivalabhängerei mit gutem Gewissen betreiben wollte, bekam dafür reichlich Gelegenheit. Nosliw beispielsweise sang für die Loser, aber gegen Roland Koch und das Privatfernsehen und hatte damit alle Sympathien auf seiner Seite. Die Mediengruppe Telekommander sind ja eh Lieblinge der bewußtseinskritischen Jugend, die die Lyrics der beiden dann auch verinnerlicht hatte und sie sowohl mitsingen als auch kompetent für die Fotostreckenfotografen der lokalen Mediengruppe posieren konnte. Schade nur, dass der Auftritt der beiden Kommander mangels ordentlicher Lautstärke und überdimensionierter Bühne ein wenig von der Präsenz ihrer Clubgigs vermissen lies.

Rummelsnuff wiederum füllte seinen Bühnenraum problemlos aus. Der hühnenhafte Matrose sang sich auf sicherem Kurs durch sein Set, das leider keine besonders großen Wellen schlagen konnte. Vielleicht fehlt auch einfach die Routine. Den begeisterten Applaus bäriger Hardcore-Fans, die zudem jede Zeile auswendig kannten, ignorierte der Berliner jedenfalls geflissentlich.

Die Ankündigung eines Mouse on Mars-Auftritts sorgt ja in der Regel für ein müdes Abwinken. Zu sehr haftet dem Duo das Image der niedlichen Frickler an, als dass jemand noch Großes erwarten würde. Dabei kann kaum jemand die Balance zwischen experimentellem Sound und kickenden Beat so gut halten wie Andi Thoma und Jan St.Werner. Aus einer Ansage zum ersten Stück basteln sie live eine Rhythmusspur für das erste Stück, das im White Noise endet, bevor die beiden Mäuse zusammen mit Drummer Dodo Nkishi ein Rave-Feuerwerk abbrennen, das für reichlich Bewegung vor der Bühne sorgt und immer wieder die Grenze zur freien Improvisation berührt ohne dabei an Tanzbarkeit zu verlieren. Panteón Rococó dagegen setzen auf bewährte  Taktiken, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen: eine mitreißende Mischung aus Zapatismus, Punk, Ska und Fankontakt. Beim letzten Stück ist die Bühne bevölkert von Band und Publikum, die Ausgeschlossenen feiern trotzdem mit, doch gegen den Ablaufplan ist auch der Zugabenwille von Band und Publikum machtlos.

Die Headliner Digitalism haben dagegen nur mit technischen Problemen zu kämpfen. Mitten im Set verabschiedet sich ein Teil des Equipments mit einem anhaltenden Brummen, doch ein Neustart lässt die bereits begonnene Party weitergehen. Straight spielen sich die beiden Jungs durch ihr Debütalbum „Idealism“ und schütteln Breaks und ekstatische Handbewegungen locker aus dem Handgelenk. Nach „Pogo“ ist dennoch Schluss und das Publikum verteilt sich auf die vorhandenen Dancefloors. Traditionalisten feiern mit Klaus Fiehe durch sein Drum&Bass-Set oder versammeln sich vor Ingo Sängers DeepHouse-Plattensammlung, der Rave-Nachwuchs vergnügt sich bei Local-Hero Philipp Bückle, während die Dortmunder Minimal-Lobbyisten vom Vrstck-Club die Crowd in der wie immer viel zu heißen Pferdegoppel zum Schwitzen bringen. Um vier Uhr ist dann Schluss und der Shuttleservice bringt die letzten Besucher nach Hause. Soviel Ordnung muss schließlich sein.



Text: Christian Werthschulte
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