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Glastonbury: Es sind noch Karten da!

Zum ersten Mal seit 37 Jahren (noch) nicht ausverkauft [04.06.2008]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Die Pyramid Stage bei Nacht und Feuerwerk

Wenn die Tatsache, dass ein englisches Festival noch nicht ausverkauft ist, auch den Weg in die heimischen Feuilletons findet (wie heute in der Berliner Zeitung), will das schon was heißen. Und tatsächlich ist es eine wenn auch traurige Sensation, dass eines der größten, bekanntesten und ältesten Festivals Europas zum ersten Mal seit 37 Jahren auf seiner Website noch Karten anbieten kann. Denn noch in den letzten Jahren konnten die Glastonbury-Veranstalter Ticketregistrierungen im Millionenbereich verbuchen – für die rund 150.000 erhältlichen Tickets. Wer bei dieser Lotterie eines ergattern konnte, feierte schon ob diesen Glücksfalls seine Anwesenheit auf den legendären Kuhwiesen in Somerset.


Das ist dieses Jahr nun komischerweise anders. Und man rätselt ein wenig, warum das so sei. Einige machen die angeblich „schwachen“ Hauptacts verantwortlich. Vor allem Jay-Z als ein Headliner spaltet die Fangemüter. Auch die neu formierten The Verve werden ein wenig achselzuckend aufgenommen – vermutlich, weil sie schon zuvor zahllose umjubelte Stadienkonzerte spielten. Und beim Freitagsheadliner Kings Of Leon fragen sich viele, ob die schon „groß genug“ für einen solchen Slot sein. Ein weiterer Problemact dürfte Amy Winehouse sein, die vor Jay-Z auf die Bühne soll. Bei der Dame weiß ja keiner so genau, ob sie für so einen Auftritt fit genug ist. Nur über Leonard Cohen wird nicht gemosert. Ein weiterer Grund könnte aber auch das traditionell launische Wetter sein. Die letzten zwei Festivals waren jeweils ein regnerischer Supergau. Billy Bragg sagte zwar mal „if you haven’t done glastonbury in the mud you haven’t done it at all“ – aber nach vier Tagen Dauerregen und Schlamm bis zu den Knien wird auch die stärkste Festivaleuphorie gebrochen. Da die Region Somerset momentan auch wieder von schweren Stürmen und Regenschauern heimgesucht wird, befürchten viele, dass sich das auch in diesem Jahr wiederholen wird.

Bevor man nun aber ins Lamentieren gerät, sollte man vielleicht einfach mal die seltene Chance nutzen, sich dieses gigantische und trotzdem auf seine Weise gemütliche Festival mal anzuschauen. Hier gibt’s Infos, wie man auch als Nichtengländer an Karten kommt. Und, wie großartig es dort zugehen kann, kann man sich im Player unten mal anschauen. Denn wie die Kanadier The Arcade Fire auf der zweitgrößten Bühne ihren Song „Wake Up“ anspielen und rund 40.000 Leute mitsingen – das ist das, was man in Somerset einen „Glastonbury Moment“ nennt.






Text: Daniel Koch
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