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So war das Southside:
Postjournalismus für die Popapokalypse [28.06.2007]
Den Machern vom Southside kann man derzeit nur Durchhaltevermögen und Glück wünschen, denn in ihrer Haut möchte man wahrlich nicht stecken. Der unwetterbedingte Zusammenbruch der Zeltbühne am Donnerstagmorgen, der Tod eines Sanitäters und diverse, teils schwere Verletzungen anderer Mitarbeiter sind wohl der Albtraum eines jeden Veranstalters. Beglückwünschen muss man die Veranstalter aber dennoch für ein gelungenes Festival mit hervorragenden Auftritten, einem ausgewogenen Line-Up mit deutlichem „Indie“-Schwerpunkt und rund 45.000 Besuchern, die sich auch von widrigeren Wetterverhältnissen nicht abschrecken ließen. Im Gegenteil: Es wurde friedlich drei Tage durchgefeiert – und das „so richtig“. Respekt muss man auch dem Publikum zollen, das am Sonntagabend nach einer Schweigeminute den auf den Bühnen stehenden Sanitätern anschließend mit brausendem Applaus ihrerseits Respekt zollte. Klingt komisch, aber eine Minute der Stille auf einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist nicht so leicht zu machen. Die Geschehnisse des Donnerstags hatten sich im Laufe des Wochenende aber soweit herumgesprochen, dass es eigentlich niemanden gab, der sich wirklich über den Totalausfall der Zeltbühne mit Bands wie Cold War Kids, Deichkind, Aerogramme, oder The Blood Brothers beschweren mochte.
Die unbeständige Wetterlage besserte sich denn auch von Tag zu Tag, und jede potentiell gefährliche Entwicklung wurde Besuchern wie Standbetreibern zeitnah mitgeteilt. Das wiederum ist eine Kommunikation, wie man sie sich eigentlich von jeder Veranstaltung dieser Größe wünscht. Denn, so gesehen, gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Vorbereitung. Und während man Freitag wie Samstag noch knietief im Schlamm stand, brachte der Sonntag dann – dank Rindenmulch und Sonnenschein – auch trockene Füße und teils krebsrote Hautpartien.
Den Freitag gewannen in jedem Fall die Editors, die mühelos die Festivaltauglichkeit ihres Referenzpops samt großer Gesten unter Beweis stellten, während beinahe zeitgleich Marilyn Manson auf der Hauptbühne mit viel zu leisem Sound nicht den erforderlichen Druck aufbauen konnte. Mit einer anderthalbstündigen Coverversionen-Performance von Me First And The Gimme Gimmies endete dann der Abend auf der kleineren Bühne – und führte auch gleich zum ein oder anderen Richtungsstreit im Publikum. Echter Punkrock lebender Legenden von Lagwagon bis NOFX meinten die einen, während andere skandierten, dass das, was da den Songs von Bob Dylan, Led Zeppelin, Carly Simon etc. angetan wurde, einer Vergewaltigung gleichkam. Im unglaublich ausufernden Moshpit vor der Bühne haben diese Diskussionen aber wohl niemanden interessiert.
Die Highlights des Samtags lassen sich dann schon weniger an einer Hand abzählen: von Isis über Art Brut, Satellite Party, Kings Of Leon und den Rakes kam man aus dem Schwelgen nicht mehr raus. Auch das Nachmittagsprogramm hatte mit z.B. Howling Bells – trotz etwas quäkiger Irish-Folk-Stimme noch schöne Überraschungen parat. Gewohnt souverän und mit Zweitbass-Unterstützung von Ex-Pavement Mark Ibold eröffneten Sonic Youth mit einen „Rather Ripped“-lastigen, aber auch mit Klassikern wie „Bull In The Heather“ gespickten Set den Abend und bereiteten den Weg für die Samstags-Headliner Placebo und Pearl Jam. Sowohl die Briten als auch die Grunge-Heroen sind ja schon was länger im Geschäft und konnten mit routiniert-fetzigen Best-Of Programmen überzeugen. Und auch wenn Eddie Vedder mit Bart ein bisschen an Jim Morrison gemahnte: Das funktionierte hervorragend, und ging deutlich mehr nach vorne, als man erwartet hatte. Nach Klassikern wie „Alive“ und „Even Flow“ trieben sie die Meute mit Neil Youngs „Rockin’ In the Free World“ direkt den Queens Of The Stone Age in die Arme, die den Abend in aller Härte zu Ende brachten.
Text: Martin Lippert
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









