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Øya Festival 2011

So war der Freitag: Wettstreit an der Spitze [13.08.2011]

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Mayer Hawthorne
Foto: Christian Steinbrink


Muss man erst nach Norwegen kommen, um die neuen Tanzstile aus Detroit kennenzulernen? Mayer Hawthorne zeigt am Freitag, wie sich die hippen Kids aus Michigan zurzeit bewegen. Auch Jarvis Cocker und Lykke Li schauen zu und sind begeistert.
 
 
Es ist schon erstaunlich, wie wenig die Morde vor wenigen Wochen Oslos Musikszene und das Øya Festival noch tangieren. Nicht, dass man das Leid der Angehörigen der Opfer ignorieren wollte; die Leute zeigen ihren Respekt nur auf eine sehr nüchterne und dezente Art, ähnlich wie es ihr Ministerpräsident Stoltenberg in den Tagen nach der Tat vormachte.
 
In Situationen, in denen ein Erinnern sowieso unangemessen wäre, sind die Osloer Festivalgänger aber auch bereit zu feiern.


Ob nun zu OFF!, dem jüngsten Bandprojekt des Circle Jerks- und Black Flag-Frontmannes Keith Morris, das alten Hardcore auf sehr vitale Art abbildet, den routiniert abliefernden Folkrockern Noah & The Whale oder dem großartigen kalifornischen Soulboy Mayer Hawthorne und seiner Band The County. Alle diese Bands werden schon am sonnigen Nachmittag euphorisch gefeiert, aber besonders Hawthorne wird mit seinem Stageacting und einer großartig performenden Band zu einem der Gewinner des Festivals. Als er den Fans den neuesten Tanzstil aus Detroit beibringt, der nur aus zwei Bewegungen mit der linken Hand besteht, tanzen Hunderte Fans vor der kleinen Vika-Stage mit.
 
Auf die Headliner-Position des Tages haben die Programmverantwortlichen einen hübschen Wettstreit gebucht: Pulp und Lykke Li beginnen fast zeitgleich ihre Shows. Einen eindeutigen Sieger in der Gunst des Publikums gibt es nicht, beide Bühnen sind voll besucht, auch wenn Lykke Li für ihre bedeutungsschwangeren Tänze im schwarzen Gewand nur eine knappe Stunde angesetzt hat und die großartig aufgelegte Band um Jarvis Cocker diese Spielzeit deutlich überragt. Cocker hat es sich für die Reunion-Tour seiner Band den Kniff überlegt, überall kleine Details aus vorherigen Gastspielen zu erzählen, was auch vorher in Barcelona und auf dem Melt! sehr gut ankam. Überhaupt vereint der Brite Entertainment- und Smartass-Qualitäten wie kaum ein anderer, der auf Bühnen Musik spielt.
 
Stunden und viele 9€-Biere später gibt es noch einen weiteren Höhepunkt in einer der vielen unorthodox-aufregenden Club-Locations Oslos: Im Sukkerbiten, einem halboffenen Zelt auf einer der vielen kleinen Landzungen des Oslofjords, spielen die zuvor auch schon im Konzert bejubelten Twin Shadow ein DJ-Set als Aftershow. Frontmann George Lewis Jr. offenbart darin all seine schon erahnten Einflüsse zwischen Disco und Soul und arrangiert sich tänzerisch vollends in der Rolle des Prince-Impersonators. Im wild mitfeiernden Publikum sind eine ganze Reihe Leute, die den gerade gelernten Tanz von Mayer Hawthorne tanzen. Auch das zeigt: Øya ist besonders. Das Festival ist geschmackvoll und unaufgeregt, routiniert und bewusst. Es feiert aber auch, die Nischen und sich selbst, es ist üppig und smart. Auf jeden Fall eine eigene Facette europäischer Festivalkultur, die es zu entdecken lohnt. 


An dem letzten Tag des Øya Festivals spielen u.a. Crystal Fighters, WU LYF, Sebadoh, Jamie xx und Kyuss Lives.



Text: Christian Steinbrink
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