Festivals » Nachlesen » G! Festival 2011 - Tickets, Bands und Infos

14
07

G! Festival 2011

So war’s: Lauter als Glastonbury [22.07.2011]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Nadine Lischick

Alljährlich verwandelt sich ein 500-Seelen-Dorf auf den Färöer-Inseln in Party Central.
 
In Nordgöta sieht es ein bisschen aus wie in einem Fantasy-Roman. Der kleine Sandstrand des 500-Seelen-Dorfs auf den Färöer-Inseln ist eingeschlossen von mit giftgrünem Gras bewachsenen Bergen. Unzählige, vom Regen erschaffene Wasserfälle stürzen daran hinunter ins Meer. Ein wunderschöner Ort der Ruhe. Zumindest an 362 Tagen im Jahr. An den anderen drei Tagen findet hier, so wie an diesem Wochenende, direkt am und auf dem Strand das 2003 ins Leben gerufene G! Festival statt.
 
Just in diesem Moment steht die aus Nordgöta stammende Band Sic auf der Bühne. Metal wummert aus den Boxen. So laut, dass es wohl auch in den Wohnzimmern der direkt hinter der Bühne stehenden Häuser zu hören sein dürfte. Entweder ganz laut oder ganz leise, immer aber mit einer gewissen Theatralik, das scheint hier auf den Färöer-Inseln die musikalische Devise zu sein. Da sind Hamferð mit ihrem Wikinger-Metal, Gipsy Train, die wie Gogol Bordello auf färöisch klingen, oder Gudrid Hansdóttir mit ihrem zarten Songwriter-Folk-Pop. Am besten von allen einheimischen Bands sind allerdings Orka. Alle ihre Instrumente sind selbst gemacht, und so erschafft die Band mithilfe von Mülltonnen, Rohren und Holzlatten einen blechernen, hölzernen Sound, der an Kaizers Orchestra erinnert.




Doch auch internationale Bands stehen dieses Jahr natürlich auf dem Programm. Travis zum Beispiel. Als sie am Freitagabend die Bühne betreten, gießt es in Strömen. Die 6.000 Festivalbesucher scheinen das gar nicht zu merken. Schließlich regnet es hier auf den Färöer-Inseln rund 280 Tage im Jahr. Kapuzen und Regenschirme, das ist was für Touristen. „Das ist vielleicht ein kleines Festival, aber ihr seid lauter als Glastonbury“, kann sich auch Travis-Sänger Fran Healy begeistern. Noch schlimmer wird der Regen bei der schwedischen Metal-Band Meshuggah, das Elektro-Programm auf der Party-Bühne „Ground Zero“, eine Hausruine, fällt ihm wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Aber ein Party-Folk wie die Färinger kann das nicht stoppen. Wozu gibt es schließlich Haus-Partys?
 
Um die Musik geht es beim G! Festival nämlich nicht allein. Vielmehr verwandelt sich das ganze Dorf ein Wochenende lang in Party Central. 6.000 Besucher – das sind bei einer Gesamtbevölkerung von 50.000 Menschen auf den Färöer-Inseln immerhin 12 Prozent, die mitfeiern. Und so hilft jeder mit, Frauen aus dem Dorf sorgen für ein famoses Catering, die Bands werden alle privat untergebracht. Die familiäre Atmosphäre ist es, die dieses Festival so besonders macht. Da kann man den Regen tatsächlich schon mal vergessen. Dafür lernt man hier schneller Leute kennen, als man sich Namen merken kann. Wem das noch nicht reicht: Zwischen den überschaubaren Verkaufsständen werden auch „free hugs“ angeboten.
 
Beim G! Festival ist eben alles ein bisschen anders. Während die Blind Boys Of Alabama am Samstagabend mit ihrem mehrstimmigen Gospel-Gesang für gute Laune sorgen, werden wir deshalb auch nach einer Stunde nicht müde, das Treiben am Strand zu beobachten. Drei Hot Tubs sind hier aufgebaut. Und während uns trotz sechs Schichten Kleidung eine Gänsehaut nach der nächsten überkommt, springen die Färinger bei höchstens 12 Grad Außen- wie Wassertemperatur nicht nur mutig in die Hot Tubs, sondern auch in das an diesem Abend wild schäumende Meer. Die Wellen schaffen es bis kurz vor die Hauptbühne. In Deutschland wäre das Festival vermutlich schon längst abgebrochen worden. Und was machen die Färinger? Sie schicken einen Bagger vor die Hauptbühne, der erst ein paar Gruben gräbt, damit das Wasser abfließt, und dann kurzerhand mitten vor der Hauptbühne parkt, wo einige verrückte Färingerihn zu dem Mittelalter-Metal von Týr kurzerhand erklimmen. Keine Frage, wie eine richtige Party auszusehen hat, das wissen die Färinger trotz aller Abgeschiedenheit nur zu gut.



Text: Nadine Lischick

Festivalinfo: G!-Festival
Jetzt Ticket kaufen!

Share/Bookmark   Auf StudiVZ teilen

Intro-LogoZDF Kultur
auf und zu

Festivalnachlesen 2010

10 Jahre Electronic Beats
Bildergalerie: So wars in Berlin!

mehr

Tickets


Newsletter

Bescheidwissen über alles, was live ist!
Anzeige