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Hurricane 2011

So war's: Ungeahnte Metamorphosen [20.06.2011]

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Portishead

Unerwartet rüpelhaft und dennoch gut die einen, merkwürdig inspirationslos oder langweilig-sittsam die anderen. Das Hurricane 2011 bot bei mäßigem Wetter zahlreiche Überraschungen.

So kratzen Elbow zwar nach ihrem Auftritt am Freitag mehr an der Pforte des Pop-Olymps als je zuvor, doch könnte Guy Garveys plötzliche Metamorphose zur Bühnensau, die sich Sonnenbrillen aus dem Publikum leiht und Beschwerden äußert, dass ausgerechnet die Holländer beim Mitgröhlen viel lauter gewesen seien, in der Tat durch die eine oder andere PET-Flasche Holsten Edel hervorgerufen worden sein.


Conor Oberst, Vorstandsvorsitzender der Bright Eyes, merkt man etwaigen Alkoholkonsum zwar etwas weniger an – sein Aufzug aus Kutte und Kapuze sieht dennoch merkwürdig nach einer karnevalesken Mischung aus Sektenführer und Hobbit aus. Dem krachigen Auftritt, der jegliche Melancholie vergangener Tage vergessen lässt, schadet’s wenig.

Eher bei den artigen Schwiegersöhnen des Festivals zu verorten hingegen die Headliner des zweiten Tages: Incubus spielen sittsam Radiosingle um Radiosingle herunter und gewinnen so vielleicht willige potentielle Schwiegermütter, aber wohl kaum Fans hinzu. Ebenfalls kühl, jedoch auf völlig andere Art und Weise, präsentieren sich einen Tag zuvor Portishead: Sterile Schwarz-Weiß-Ästhetik auf der Leinwand, eine leidende Beth Gibbons, die jedes Wort wie eine schmerzhafte Geburt aus sich herauspressen muss – für manche das Highlight des Festivals, für Portishead selbst (laut Twitter) der schlechteste Auftritt der Bandkarriere.

Im Endeffekt ist es dann doch der Mittelweg, der die größten Ausrufezeichen setzt: Mit perfektionistischer Professionalität auf der einen und einer Spielfreude, die seit „Funeral“ kaum nachgelassen zu haben scheint, auf der anderen Seite mauern sich Arcade Fire ihren Weg zur größten Band der 2010er Jahre unbeirrt weiter. So begeistern die Kanadier alle, die nicht vorher zur gewohnt fulminanten, aber bereits größtenteils aus 2008 bekannten Lichtshow der Chemical Brothers oder dem komplett überfüllten Zeltauftritt von Sum 41 geflohen sind.

Apropos Zeltauftritte: Diese laufen dank neuer Einlassregelungen – „wenn die linke Schlange drängelt, wird eben die rechte Schlange reingelassen, also benehmt euch!“ – glücklicherweise ohne Chaos wie letztes Jahr auf der White Stage ab. So können sich die „kleinen“ Acts insbesondere am komplett verregneten Sonntag regen Andrangs erfreuen; allen voran bedanken sich Eels mit einem bluesrockigen Potpourri alter und neuer Songs für die Aufmerksamkeit und nehmen dabei noch durch selbstironische Dicke-Hose-Ansagen die eigene Rockstarrolle auf’s Korn.

Im Artist Village fand sich ein großes Banner vom Beatlesmuseum Hamburg. Dort hatten Hurricane-Bands die Möglichkeit, ihre Sympathie gegenüber den Herren George, John, Paul und Ringo mit einer Unterschrift zu signalisieren. Circa 30 Bands taten das auch, wer sich als Fab-Four-Fan entpuppte, kann man hier sehen.

Und damit Jux und Dollerei 2012 ebenso nicht zu kurz kommen werden, bestätigt FKP Scorpio mit Die Ärzte und Blink 182 zum Festivalabschluss auch schon die ersten Headliner für das kommende Hurricane. Mit denen wird ja ebenfalls eher Dosenbier als Weißweinschorle assoziiert – so manches Müllferkelchen, abseits des in diesem Jahr neu eingeführten Green Campings, mag das freuen.



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Text: Jan Martens
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