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So war das Spot-Festival 2011

Music Made In Denmark [31.05.2011]

Alle Festivals bei Festivalguide 2012

Oh Land
Foto: Christin Sydow


Das Spot-Festival etabliert sich als Überblick über die skandinavische Newcomer-Szene im Sommer. Christin Sydow war dort, sah aber vor allem etablierte Acts reüssieren.

Am vergangenen Wochenende öffnete das Spot-Festival im dänischen Aarhus seine Türen, um den neugierigen Besuchern die vielversprechenden Acts zu präsentieren, die Skandinavien derzeit zu bieten hat. In den Sälen des örtlichen Musikhuset und auf Bühnen rundherum in der Stadt verteilt betraten an zwei Tagen etwa 100 Bands die Bretter, die die Welt bedeuten.

Einer der Höhepunkte des ersten Festivaltags ist zunächst Jenny Wilson. Die bereits etablierte aparte Schwedin lässt es sich nicht nehmen, unterstützt von ihrer Band und einem Gospelchor eine vor Kraft strotzende Show hinzulegen. Mit groovigem Indie-Pop, einer Sirenenstimme und ihrem neuen raspelkurzen Annie-Lennox-Haarschnitt, den sie zunächst unter einem riesigen schwarzen Hut versteckt, hat sie das Publikum im Handumdrehen auf ihrer Seite.

Ein paar Schritte weiter entzückt der gutgelaunte Dancepop des dänischen Newcomers Vinnie Who die partyfreudigen Fans. Der androgyne Jungspund im Anzug brilliert vor allem dank eingängiger Melodien, seines schulbubenhaften Grinsens und nerdiger Tanzeinlagen.

Das Pop-Wunder Oh Land gibt sich mit starken Percussions und indianischem Federkopfschmuck dagegen kampfeslustig. Spielerisch manövriert die Tochter einer Opersängerin ihre Stimme von fragiler Elfenhaftigkeit durch düstere Nuancen bis hin zu mächtiger Schönheit.




Am zweiten Abend betritt das schwedische Duo JJ schüchtern die Bühne. Während Sängerin Elin allein bereits minutenlang auf der spärlich beleuchteten Bühne singt, schleicht sich Gitarrist Joakim etwas später vor den Blicken der jubelnden Menge durch einen riesigen Filzhut geschützt an ihre Seite. Zusammen entfalten die beiden ein hypnotisches, introvertiertes Pop-Traumgebilde, aus dem das Publikum erst erwacht, als die Musiker schon wieder verschwunden sind.

Dass die Energy-Pop-Göre Fallulah als wandelnder Wirbelwind selbst auch riesigen Spaß an ihrer Musik hat, entgeht selbst dem Tanzmuffel in der letzten Reihe nicht. Die selbstbewusste Kopenhagenerin mit rumänischen Wurzeln fängt die Blicke ihrer Anhänger frech auf, um sie sofort gekonnt in energetischen Balkan-Pop umzuwandeln. Wäre da nicht die Jack-Daniels-Pulle am Bühnenrand, zu der die 26-Jährige regelmäßig greift, könnte Fallulah als 1a-Role-Model für junge Mädchen durchgehen.

Und kurz vor Festival-Ende schafft es doch noch eine Band, das Sicherheitspersonal des überwiegend gemütlichen Festivals in helle Aufregung zu versetzen. Das dänische Technosoul-Duo Reptile & Retard walzt mit einem ausgewachsenen Elektro-Monster nicht nur den Rasen platt. Sänger Mads Damsgaard Kristiansen, der den Spirit von Schamane, Alien und Aufrührer in einer Person vereint ist, springt ins Publikum, lässt sich minutenlang stehend auf Händen tragen und klettert den Lichtmasten hoch. Die Menge ist fasziniert und kaum zu halten - auch als die Band nach überzogener Spielzeit schon lange von der Bühne beordert worden ist.
Übrig bleibt der Eindruck, dass kostümierte Musiker irgendwie spannender sind als der Rest, und der Wunsch, dass deutscher Pop doch endlich origineller und experimentierfreudiger wäre.



Text: Christin Sydow
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