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Fest van Cleef 2010
Feste feiern: So war’s in Bielefeld [13.12.2010]
Foto: Simon Chrzanowski
Zum Jahresende öffnet das Grand Hotel noch einmal seine Pforten für all die Festivaljünger, die im Sommer noch nicht ausgiebig genug im Schlamm gewühlt haben. Mittlerweile als fester Bestandteil im Festivalkalender etabliert, feiert das Fest van Cleef in diesem Jahr bereits sein 5-jähriges Jubiläum und macht nach Berlin und Mainz zum Abschluss der Reise in Bielefeld Station.
12.12.10, Bielefeld, Ringlokschuppen
Dreckig machen ist aber nicht, denn schließlich findet das ganze erstmalig im Dezember und zwar im wahrsten Sinne des Wortes “ indoor“ statt. Die knapp 2500 Besucher werden über einen Zeitraum von 7 Stunden mangels Ausgangskontrollen im Ringlockschuppen quasi kaserniert und in der Folge bildet sich eine schier endlose Schlange an der einzig vorhandenen Essensausgabestation. Das Frustpotenzial wird jedenfalls schon einmal ordentlich geschürt…
Den musikalischen Auftakt bildet am frühen Abend der Viersener Vierer Beat Beat Beat. Von vielen als Heilsbringer der deutschen Gitarrenband Szene gefeiert, liefern die Jungspunde mit ihrem britisch geprägten Power-Pop eine ordentliche Show, bei der der Funke, nicht auf alle Anwesenden überspringen will. Noch Luft nach oben.
Ähnliches Bild bei Young Rebel Set. Dem „rollenden Irish Pub“ merkt man die Strapazen der vergangenen Tage doch deutlich an. Normalerweise ist ihre wilde Mixtur aus Besoffski-Folk im Stile der Pogues und herzerweichenden Melodien á la Mumford & Söhne der Stimmungsgarant schlechthin. Heute bedarf es gar der stimmlichen Unterstützung von Thees Uhlmann bei „If I was“ , um das vor allen Dingen in den hinteren Reihen etwas lethargische Publikum zumindest ein Stück weit aus der Reserve zu locken. Man könnte sich fragen, wer hier wohl drei Tage wach war. Hat man schon besser gesehen.
Zeit für ruhigere Töne. Nils Koppruch, seines Zeichens Ex-Mastermind von Fink entpuppt sich als erstes Highlight der Veranstaltung, verkörpert er den ureigenen Americana-Sound doch authentischer als manch ein gitarrenschulternder Songschreiber jenseits des großen Teichs. Sparsam arrangierte Versatzstücke vertonen kongenial seine lakonisch, metaphorisch geschwängerten Texte und überzeugen vollends.
Kurz darauf sieht sich unser liebster Liedermacher Gisbert zu Knyphausen dem versammelten Auditorium vor der Hauptbühne gegenüber. Etwas verloren, allein mit seiner Gitarre zieht er trotz deutlicher Soundprobleme das Publikum in seinen Bann. Die Qualität seiner beiden Alben spricht eben für sich und das etwas kurz geratene Set entfaltet auch ohne Bandkontext eine angenehm intime Dringlichkeit. Zu recht einer der Publikumsmagneten dieser Veranstaltung.
Dann endlich der von den meisten sehnlich erwartete Auftritt vom Prototypen einer Label-Identifikationsfigur schlechthin. Ohne seine Tomte-Mitstreiter schickt sich Thees Uhlmann an, sein demnächst erscheinendes Solowerk vorzustellen. Mit deutlicher Abkehr von der Weichzeichner-Periode aus “Buchstaben über der Stadt“-Zeiten gibt er einigen Dampf auf den Kessel. Tomte-Import Nicolai Potthof und Tobias Kuhn (Miles, Monta) an den Gitarren kreieren eine druckvolle Wall Of Sound-Atmosphäre, in der sich die für Tomte typischen kryptischen Texte bisweilen den Vorwurf von Kitsch gefallen lassen müssen. Die obligatorische Uhlmannsche Selbstinszenierung provoziert die üblichen Reaktionen zwischen blinder Huldigung und peinlicher Berührtheit. Kalkulierte Polarisation. So gesehen viel Lärm um wenig Neues.
Zum Abschluss liefern die grauen Eminenzen von Kettcar ein dem Anlass entsprechendes würdiges Finale. Mit neuem Drummer und zwei neuen Stücken im Gepäck spielen sie ein Best Of-Set ihrer bisherigen Alben, gespickt mit üblichen Verdächtigen wie „Deiche“ oder „Landungsbrücken raus“. Jeder kommt auf seine Kosten. Herzlichen Glückwunsch.
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Text: Thorsten Streck
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









