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So war das Immergut 2010
Indie unter sich: Mit Bonaparte, William Fitzsimmons u.v.a. [31.05.2010]
Efterklang
Foto: Sebastian Dudey
Am Wochenende feierte das Immergut seinen elften Geburtstag. Wer nicht dabei war, hat den Auftakt der diesjährigen deutschen Festivalsaison und noch einiges mehr verpasst.
Schon der Freitag präsentiert sich sportlich mit der gut gelaunten englischen Formation The Go! Team, die das Publikum cheerleader-mäßig antreibt. Noch bunter und ausgelassener können im weiteren Verlauf des Abends eigentlich nur Bonaparte feiern.
Mit einer gehörigen Portion Kunstblut versehen springen, rangeln und wälzen sich halbnackte Tänzer in Krankenschwester-Outfit, Tiermasken und Latexanzügen über die Bühnenbretter, während Sänger und Gitarrist Jundt den musikalischen Überblick im Gewimmel behält. Angesichts der gewohnt skurrilen Mischung aus Konzert, Sex-Show und Theateraufführung brennt die Frage, welcher Freak eigentlich für die verrückten Kostümierungen der Band verantwortlich ist. Die Punkrocker Turbostaat können in dieser Hinsicht zwar nicht mithalten, gehören allerdings zu den Bands mit den textsichersten Fans dieses Tages.
Der Auftritt des Singer-Songwriters William Fitzsimmons am Samstagabend im Zirkuszelt der kleinen Birkenhain-Bühne ist so gut besucht, dass der glatzköpfige Vollbartträger seine fragilen Stücke auch problemlos auf der Hauptbühne hätte spielen können. Im bis in den letzten Winkel mit Menschen bepackten Zelt läutet danach das Elektropunk-Duo Mediengruppe Telekommander die Party ein. Mitgerissen von den Schwingungen des Holzfußbodens fällt es kaum jemandem schwer, sich zu bewegen.
Beeindruckend an diesem Abend ist ebenso die Intensität der Dänen Efterklang. Ihr Fokus auf mehrstimmigen Gesang, mitreißende Rhythmen und der liebevolle Umgang mit dem Publikum sorgt für spontane Begeisterung.
Wieder zurück im Zelt schmeicheln FM Belfast dem Immergut mit einem eigenen Song zum Festival. Die wie auf einem Laufband joggenden Musiker heizen die von der vorangegangenen Mediengruppe hinterlassene Stimmung weiter auf. Als letzte Band des Samstagabends runden Tokyo Police Club das Festival ab und versöhnen ihr Publikum nach der Absage ihrer Europa-Tour mit einem absolut lässigen Auftritt.
Nach Mitternacht entlädt sich die Stimmung in spontanen Feierlichkeiten, als klar ist, dass Lena Meyer-Landrut beim Eurovision-Song-Contest den Titel nach Hause gebracht hat. Dass sich so manch ein Indie-Nerd über diese plötzliche Mainstream-Affinität wundert, stört zu dieser Stunde eigentlich niemanden mehr. Selbst der DJ schreckt nicht davor zurück, den Sieger-Titel „Satellite“ als erstes Stück aufzulegen. Gewinnen macht nämlich immer Spaß.
Der inoffizielle Auftakt der Festivalsaison, das traditionsreiche Indie-Openair Immergut geht zu Ende. Anstelle von vielen Hype-Bands hat man hier in diesem Jahr eher auf zurückhaltende Newcomer gesetzt, was nicht jedem Besucher gefiel. Doch auch unbekanntere Acts wie FM Belfast, Dancing Pigeons und Vierkanttretlager haben es verstanden, das Publikum für sich zu begeistern. Dem Charakter des kleinen Festivals und der sympathischen Stimmung dort schadete es sicher nicht.
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Text: Christin Sydow
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









