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So war das Soundlabs 2009

Minininiaturfestival mit Herz [10.09.2009]

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Carabinieri, Spürhunde und richtig viel Herzlichkeit – so etwas gibt es vermutlich nur an einem Ort der Festivalwelt: Roseto degli Abruzzi, Schauplatz des beschaulichen und einzig echten italienischen Indiefestivals Soundlabs. Der gemeine Festivalgänger kennt das ja: Das Ordnungspersonal ist nie so richtig knorke. Aber örtliche Carabinieri, also echte italienische Polizisten, samt Drogenspürhunden eröffnen dem Festivalerlebnis eine ganz neue Dimension des Unbehagens. Auf dem diesjährigen Soundlabs erwarteten sie die nichts ahnenden Angereisten bereits am Eingang und machten auch vor so richtig persönlichen Habseligkeiten nicht Halt. Dementsprechend hatten die Festivalorganisatoren und die jungen Mitarbeiter ihre liebe Mühe, mit Charme und noch mehr Herzlichkeit, das wohlige Gefühl eines Minifestivals wieder aufkeimen zu lassen.


Es gelang. Allerorts begegnete man dem Lächeln der Soundlabs-Belegschaft, die ob der gefühlten 400 Festivalbesucher kaum eine Gelegenheit ausließ, jedem Besucher eine Extrawurst zu braten. Die exklusiven Auftritte der vorangegangenen Jahre von Patti Smith, Wire, Blonde Redhead suchte man 2009 jedoch vergebens: Das Line-Up war so durchwachsen, wie es international war. Bands, die in Italien Kultstatus genießen, nahmen die internationalen Gäste mit Skepsis auf. Massimo Volume, das anscheinend für italienischen Sprechgesang auf sperrigem Hardrock-Soundteppich steht, gaben sich kühl. Italienische Besucher fanden das ob der angeblich „sehr geilen“ Lyrics nicht bedenklich. Alle anderen fragten sich schon, ob es nicht doch am riesigen „Glasvegas“-Schriftzug lag, vor dem am Freitag sämtliche Bands auftreten mussten. Die leider nur mediokren Wave Pictures, die mit ihrem unbeschwerten Indierock ein eher belangloser Musikexport von den britischen Inseln sind, nahmen es mit Humor, gaben sich kurzzeitig als Glasvegas aus und erheiterten das Festivalgemüt mit spontan ersponnenen Geschichten über den umständlichen Transport der Bühnendekoration. Schlussendlich kündigte das erleuchtete Glasvegas-Banner in überdimensionierter Penetranz den Auftritt der Headliner an. Joe Strummer-Look-A-Like James Allan versuchte sich in der üblichen uninspirierten Völkerfreundschaft à la: „We don’t speak italian, but we love Italy“. Wenigstens verkniff er sich dieses Mal explizit an weibliche Gäste gerichtete Einladungen, ihn Backstage in der Garderobe zu treffen.



SOUNDLABS FESTIVAL PROMO from soundlabs festival on Vimeo.

Am Samstagabend galt alle Vorfreude den schwedischen Programmhöhepunkten. Doch zunächst bewies die Mailänder Band Dente, dass auch Italiener leichtfüßigen Indierock mit Anleihen aus den Sechzigern zu schätzen wissen – eine Erkenntnis, die vom Pathos und den lautstarken Krawallwänden der Landsmänner von Zu und Uzeda noch am selben Abend stark untergraben wurde. Das Göteborger Duo Wildbirds & Peacedrums begann sein Set zunächst vor einer Handvoll geneigter Zuhörer. Doch mit jedem gespielten Takt wuchs die Zuschauermenge an, bis sich die gesamte Besucherschaft einfand, um das Stimmwunder Mariam Wallentin und all ihre Leidenschaft in Augenschein zu nehmen. Selten fühlten sich Synthesizer und anderer Firlefanz deplatzierter an als bei dieser auf Schlagzeug, Percussion und Gesang beschränkten Perfomance. José Gonzales, ebenfalls ein Meister der Reduktion auf das Wesentliche, zog mit seinem virtuosen Gitarrenspiel und den bekannt illustren Kylie Minogue- sowie Joy Division-Coverversionen die Sympathien auf seine Seite.

Einen heimeligen und intimen Ausklang fand das Festival am Sonntagabend in einer strandnahen Musikbar mit der örtlichen Beat-Band Matinée. Die Bewohner der immerhin elf-Zelte-starken Campinggemeinde forderten sich gegenseitig in der beliebten Disziplin der Rock’n’Roll-Scharade heraus – schlussendlich einigte man sich auf ein deutsch-französisches Remis und erfreute sich an einer letzten lauen Sommernacht an der Adriaküste, die stets zum Bade einlud. Deborah Owen, Mitorganisatorin und jederzeit für ein Gespräch zu haben, gab zudem Einblicke in den alljährlichen Kampf mit lokalen Verwaltungsinstanzen, die immer wieder eine Herausforderung seien. Auch das Erdbeben in den Abruzzen vor wenigen Monaten habe die Organisation 2009 erheblich erschwert. Im nächsten Jahr hoffen die Soundlabs-Macher, das Festival wieder traditionell im Juli zu veranstalten. Das hieße dann auch: mehr Sonne, mehr Festivalliebhaber und noch mehr spannende Bands.


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Text: Anja Hoffmann
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