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Das war Rocken am Brocken
Drei gezählte Tropfen Regen [04.08.2009]
„Hinter uns liegen Elend und Sorge, vor uns die Bundesrepublik“, so ein alter Spruch westdeutscher Harzreisender. 20 Jahre nach dem Mauerfall ist daran nicht mehr zu denken, denn zwischen Elend, Sorge und der ehemaligen innerdeutschen Grenze fand am Wochenende zum dritten Mal das Rocken am Brocken statt. Und: Besser hätte der Wettergott die eifrigen Veranstalter für ihre Mühen nicht belohnen und seine Schandtaten vom Vorjahr wieder gut machen können: Bis auf drei gezählte Tropfen Regen wurden die Besucher an beiden Festivaltagen mit schönstem Sonnenschein verwöhnt. Es war neben einem abwechslungsreichen Line-Up und der idyllischen Lage mitten im Nationalpark Harz die ideale Grundlage für ein Festival, das an Gemütlichkeit nur schwer zu überbieten ist. Langes Anstehen, Gedränge, weite Wege, abgehobene Bands: all das, was auf den großen Festivals nervt, suchte man bei der dritten Auflage von Rocken am Brocken vergeblich. Der Zeltplatz war nur einen Steinwurf vom Festivalgelände entfernt, die Besucher sonnten sich vor der Bühne, kämpften im Soccer-Cage von Bolzen-Bier um die Fußballkrone und lauschten entspannt den Klängen der ersten Bands.
Und was sie da schon am ersten Abend zu hören bekamen, ließ nicht viele Wünsche offen. Der Angelika Express ließ sich überhaupt nicht von der Tatsache aufhalten, dass sich das Publikum erst zögerlich vor die große Hauptbühne begab und die Ska-Punker von Sondaschule sorgten für derart gute Laune, dass am nächsten Tag schon 14-jährige mit „Ich bin dumm, aber glücklich“ T-Shirts über das Gelände liefen. Das die schwedische Rockband Tiger Lou danach ihr vorletztes Konzert vor der Auflösung gab, sorgte zwar für eine gehörige Portion Wehmut, andererseits legte sich Karl Rasmus mit seiner Band noch mal besonders ins Zeug.
Als die Dunkelheit und mit ihr die in 600m Höhe doch empfindliche Kälte Einzug in Elend hielt, begab sich auch der letzte der 2400 Besucher vor die Bühne, um die Ursache für aufkommende Gänsehaut von Kälte in Begeisterung umzuwandeln. Und auf der Bühne bewiesen fünf Jungs aus Dinslaken, dass sie längst mehr sind, als eine viel versprechende Vorband. Die Kilians waren für einen Großteil der Besucher nicht nur der stimmungstechnische, sondern auch der musikalische Höhepunkt des Festivals.
Im Gegensatz zu anderen kleineren Festivals wie dem La Pampa fehlt dem Rocken am Brocken zwar eine nahgelegene Bademöglichkeit, aber wozu gibt es Schluck den Druck. Die Berliner Elektromusiker feierten in der samstäglichen Mittagshitze eine Spontanparty mit den Feuerwehrleuten auf dem Zeltplatz. So wurde für die nötige Abkühlung gesorgt, bevor es musikalisch weiter ging. Ob mit Der Tante Renate, der leider etwas zu früh spielte, Olli Schulz mit Band, aber ohne den Hund Marie und den chaotischen Schweden von Friska Viljor hatten fast alle Zuschauer auch am Samstag ihren Spaß bevor Portugal.The Man die Bühne betraten. Die Band aus Alaska mühte sich redlich, den hohen Ansprüchen an einen Headliner gerecht zu werden. Es ist schwierig einzuschätzen, ob ihnen das gelungen ist, einen absolut sehenswerten Auftritt legten sie allemal hin.
Auch wenn die abschließende Aftershowparty im Zirkuszelt anspruchsvollere Musik verdient hätte, verließ zur späten Stunde kaum ein Besucher unglücklich das Festivalgelände. Und auch Veranstalter Markus Blanke war mit der dritten Auflage des Festivals rundum zufrieden: “Wir haben von allen Seiten nur positives Feedback bekommen. Ich denke, dass wir hiermit den Grundstein gelegt haben, dass es jetzt richtig vorwärts gehen kann.“ Hoffen wir, dass es zwar richtig vorwärts geht, die entspannte Atmosphäre dabei aber nicht auf der Strecke bleibt.
Text: Marco Weber
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de











