Festivals » Nachlesen » Das war das Reload-Festival - Tickets, Bands und Infos
Das war das Reload-Festival
Thrash, Zoten und Körperflüssigkeiten [10.07.2009]
Anthrax in Action
Zugegeben, dass Mannfred Mann´s Earth Band das Publikum für die New Yorker Thrash-Metal-Pioniere von Anthrax aufheizen, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Dass dies ausgerechnet noch im beschaulichen Twistringen geschieht, wäre vor einigen Jahren noch in die Kategorie Fieberwahn-Phantasie einzuordnen gewesen. Die Tatsache, dass am kommenden Tag die Bloodhound Gang ihr zotig-rockiges Stelldichein geben würde, wüsste diese Diagnose nur zu unterstreichen. Das Reload-Festival hat es jedoch geschafft, die betagte Prominenz ins vermeintliche Niemandsland des Rock zu locken – mit ihnen mehrere Tausend Fans im Schlepptau.
Und auch Petrus zeigte sich in diesem Jahr gnädig mit dem Organisatoren-Team und ließ die Wolken ausnahmsweise lediglich über die angrenzenden Gemeinden brechen. Entsprechend gut war die Stimmung auf und vor der Bühne. Nachdem Chinaski und die Superstarfuckers noch eher als akustisches Rahmenprogramm während des Eintrudelns der Festival-Besucher fungierten, bildete der Auftritt des gebürtigen Südafrikaners und Rock-Urgesteins Manfred Mann samt nicht minder namhafter Begleitkapelle, der Earth Band, bereits den ersten Höhepunkt des Reload 2009. Mit Hits wie „Blinded By The Light“ oder „Day’s On The Road Again“ im Gitarrenkoffer wussten die Musiker vor allem beim betagteren Publikum zu punkten. Bei Anthrax hingegen von Newcomern zu sprechen, wäre derweil wohl leicht vermessen. 1981 von Rhythmus-Gitaristen Scott Ian Rosenfeld ins Leben gerufen, zogen die New Yorker einst aus, um den Mutterplaneten mit damals noch nicht da gewesener Härte und Schnelligkeit heimzusuchen. Nicht umsonst zählt die Band neben Metallica, Slayer und Megadeth zu den „Big Four“ des Thrash Metals. Und diesem Ruf sollten sie auch in Twistringen auf ganzer Linie gerecht werden. Gespannt durfte man zunächst auf Neu-Frontman Dan Nelson sein. Würde es ihm gelingen, die großen Fußstapfen seiner Vorgänger Belladona und Bush auszufüllen? Schon mit dem Opener „Indians“ wurde der Knüppel aus dem Sack geholt. Und diesen packten die US-Thrasher auch nicht wieder ein. Klassiker wie „Madhouse“, „Antisocial“ und die Headbanger-Hymne schlechthin, „Caught In A Mosh“ gingen wechselten sich ab mit neuerem Material á la „Fight Em Til You Can´t“, einem Appetizer auf den neusten, im Oktober erscheinenden, Longplayer „Worship Music“. Dabei reihte sich Nelson nahtlos als achter Zylinder in die gut geschmierte Milzbrand-Maschinerie ein – so, als wäre er schon seit den glorreichen 80ern mit von der Partie. Das Publikum dankte es ihm samt Kollegen mit kollektivem Kopfschütteln und lautstarken Forderungen nach Zugaben. Mit letzteren wurde die Menge jedoch nur noch einmal beglückt, da der Tourbus backstage bereits mit laufendem Motor wartete, um die Skate-Metaller nach einem knapp eineinhalbstündigen Gig weiter zum Hockenheim-Ring zu chauffieren, wo es bereits am nächsten Mittag das Sonisphere-Spektakulum mit Metallica zu eröffnen galt.
Text: Eike Nienaber
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de









