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So war Roskilde 2009

Bericht eines Begeisterten [07.07.2009]

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Roskilde von oben
Foto: Nanna Kreutzmann

Die spinnen die Dänen! Machen ein Festival mit über 100.00 Menschen aus ganz Europa und schaffen es trotzdem, dass man sich durchgehend gechillt und wohl fühlt. Stellen sich schon nachmittags um 16 Uhr geduldig in wohlgeformte Schlangen an „Oasis“-, „Slipknot-“ oder „Trentemøller“-Schilder, um dann um 23 Uhr in den Bühnenvorraum bei selbigen gelassen zu werden. Halten es für selbstverständlich, dass bei nachmittäglichen Punkkonzerten drei Security Guards mitpogen, weil sie auch im kleinsten Zelt aufpassen, dass im Moshpit keiner zu Boden geht. Machen ein Openair, haben aber eigentlich nur eine riesige Freiluftbühne und weitere liebevoll gestaltete Zelte, deren Größen von „Arena“ bis „Klein-gemütlich-Club“ reichen. Hauen bei den Konzerten dermaßen viel Umsonst-Wasser raus, dass man auf dem Gelände gar nix mehr kaufen muss. Säubern nach jedem Gig die Location und schmeißen die gesamte Pitbelegschaft raus.


Freuen sich über den Irrsinn der Festivalbesucher und fördern solch verrückte Aktionen wie den „Naked Run“ - der traditionell in nackter Gelassenheit auf dem riesigen Campingareal stattfindet. Und nicht zuletzt: Machen ein Festival, dessen kompletter Erlös für wohltätige Zwecke rausgehauen wird. Die spinnen die Dänen – und das ist auch gut so!

Das Roskilde ist eines dieser Festivals, das einen schnell völlig aus den Latschen haut, weil man sich vor Begeisterung nicht mehr einkriegt. Was zum Teil auch am großartigen Line-up liegt, in erster Linie aber der ganz eigenen Stimmung dort geschuldet ist. Trotz maximaler Professionalisierung, die von den „Veteranen“ oft bemängelt wird, sind dort nämlich überwiegend Freiwillige am Werk, die nicht den Stundenlohn im Sinn haben, sondern die Gewissheit, Gutes zu tun, und (vielleicht der wichtigere Grund) im Anschluss ihrer Schicht noch selbst das Roskilde zu rocken. Außerdem scheinen auch die Gesellen, die den Großteil des Tages auf dem Campingplatz verbringen, um dort die 18,8er Chillum ihrer Bong kreisen zu lassen oder eine Tuborg-Hülse nach der anderen zu zischen, irgendwie unprolliger daherwanken, als man das aus heimischen Landen kennt. Aber vielleicht liegt's auch nur daran, dass sie alle noch mal in den Campingplatz-eigenen Badesee hüpfen, bevor sie das Festivalgelände betreten.

ROSKILDE - Trailer

Trailer: „Roskilde – The Music. The Party. The Feeling.“

Bei strahlendem Sonnenschein fand also am vergangenen Wochenende das wohl bestbeschallteste Musikvolksfest der Dänen und ihrer europäischen Nachbarn statt. Und bei solch einer traditionsreichen Veranstaltung legte sich diesmal nicht nur das Wetter ins Zeug sondern auch ein Großteil der eingeladenen Acts. Angefangen bei Social Distortion, die am Donnerstag das riesige Arena-Zelt mit ihren Gassenhauern wie „Don't Drag Me Down“, „Sick Boys“ und „Ball And Chain“ zum Ausrasten brachten. Immer noch die anspruchvollste Dicke-Eier-Mucke wo gibt – das unterschrieben auch die runden achttausend Anwesenden. Derber und direkter wurde es bei Fucked Up, die wohl so was wie den Gig des Wochenendes hinlegten. Ihren mit Punk vermischten, In-die-Fresse-Hardcore hauten Shouter Father Damien und seine Mitmusiker mit einer Leidenschaft ins Publikum, die sich auch durch Platzwunden am Schädel nicht bremsen ließ (siehe Fotogalerie). Man hätte sich gewünscht, dass die Maskenfatzen von Slipknot sich das Konzert mal angeschaut hätten, denn die bewiesen trotz Headliner-Status ein paar Tage später nur eines: Nämlich, was für unsäglich clowneske Wimps sie inzwischen geworden sind. Klar, die Masken waren wieder ganz geil, der auf einer rotierenden Plattform spielende Ölfass-Percussion-Hansel für fünf Minuten ein Blickfang, die Flammenwerferaction ganz munter – aber was die Bauernsöhne aus Iowa da als das Härteste vom Harten verkaufen, ist bloß angemalte und vermummte Dickeierigkeit amerikanischer Prägung. Statt geballtem Hass gab's also eine Lobeshymne auf die Fans nach der anderen, mit einem Pathos vorgetragen, den man sonst vielleicht eher vom Creed-Sänger erwartet hätte. Dem Corey Taylor inzwischen durchaus gleicht, wenn er ins Singen gerät. Was er auf den neuen Songs ja (zu) oft tut. Hart und gut gab's dagen von Isis und Neurosis, wobei letztere leider damit zu kämpfen hatten, dass die Zeltarena bei Sonnenschein einfach viel zu hell für sie war. Trotzdem genoss man gerne, wie die tonnenschweren Riffs einem über den Nacken rollten.

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Text: Daniel Koch
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