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So war Rock am Ring (mit Bildergalerie)
Am Rande des Eigentlichen [08.06.2009]
Rock am Ring ist und bleibt das lauteste und größte Festival Deutschlands, für viele auch das wildeste. Und es ist mitunter das Festival, das am meisten Aufsehen erregt. Sei es weil es die größten Acts hat, sei es weil es die höchste Promidichte hat, sei es weil seine Fans nicht müde werden, danach ihre Freude in die Welt zu jubeln. Aber es gibt auch Gegenstimmen. Eine davon brachte unser Autor Raphael Schmidt mit nach Hause. Hier sein Bericht:
Wer sich zum Festivalgiganten Rock am Ring begibt, der sollte wissen, worauf er sich einlässt. Kosenamen wie „Der Ballermann unter den Festivals“ lassen erahnen, worum es hier geht: Gefühlt sind knappe 90% aller BesucherInnen betrunken und nackt, penetrant und möglicherweise Onkelz-Fan. Letztere hört man nicht selten über Zeltplätze hallen. Ein volles Zelt schon Freitag Nachmittag um 18 Uhr ist damit praktisch garantiert, wenn auch nur auf dem Campingplatz. Da begeben sich andere lieber zum eigentlichen Teil eines Musikfestivals und schauen sich die ersten Bands des prall gefüllten Wochenendes an. Und wo dieses Jahr ein wirklicher Headliner gar nicht auszumachen ist, bleiben ein paar kleine Highlights, ein paar Überraschungen und auch große Enttäuschungen. Musikalisch wie auch organisatorisch.
So regt man sich am frühen Abend über einen wegen der offensichtlichen Überfüllung fast berstenden Wellenbrecher vor der Alternastage auf, freut sich gleichzeitig aber, eine Band wie Enter Shikari so energiegeladen und sympathisch agieren zu sehen.
Hier geht's übrigens zur Bildergalerie.
Energie und Sympathie, für den Rest des Tages, gerade bei Korn und Nicht-Schockrocker Marilyn Manson, ein seltener Anblick auf dieser Bühne. Da freut man sich eher, Johnny Borrell und seine Band Razorlight nicht ganz so arrogant und eigen wie sonst zu sehen und guckt verdutzt, wenn Polarkreis 18 den wohl besten Auftritt des Tages abliefern. Doch wen interessiert das hier schon? Die Musik scheint eh eine nette Nebensache zu sein: Zeltplätze, die einem Bundeswehr-Lazarett ähneln, Berge aus Bierdosen und Mädchen mit „Fußball, Ficken, Alkohol-T-Shirts“ - da fragt man sich, wofür Jan Delay am späten Samstag Abend seine Ansagen zur anstehenden Europa-Wahl eigentlich macht? Wer ist der Wahlsieger, zwischen Kotze und Slipknot?
Vor Delay jedenfalls sind beide der lebende Beweis dafür, dass im Zelt der Coca-Cola Soundwave die eigentlichen Überraschungen warten: Alexisonfire beispielsweise. Die kanadische Hardcoreformation zerlegt mit Leichtigkeit die kleine Bühne und zeigt, was Energie und Intensität eigentlich ausmachen können. Ein Scheibchen davon könnten sich jedenfalls die maskierten Psychos von Slipknot abschneiden. Die ziehen nämlich fast das gesamte Publikum des Wochenendes vor die Center Stage und haben leichtes Spiel beim dirigieren der kleinen Gewaltorgien im blutjungen Publikum. Da wundert es nicht, dass Mando Diao vor vergleichsweise wenigen und vor allem leisen Leuten spielen. Immerhin, bei letzteren wusste man wenigstens im Vorfeld, dass es sie noch gibt.
Leichter ist es da für The Subways, die am Sonntag nach den sterbenslangweiligen All-American Rejects performen und ein überraschend gutes Set mit Tiefgang vortragen. Dass im Coca-Cola-Zelt mit den Gallows mal wieder eine kleine Überraschung wartet, kapiert ohnehin niemand, der sich auf Limp Bizkit freut. Die Gallows jedenfalls sind dieses Wochenende an Wut und Wahnsinn nicht zu toppen und schließen das alljährliche Kapitel eines Festivals, welches eher am Rande des Eigentlichen wirklich überzeugt.
Text: Raphael Schmidt
Tonspion, Motor, Regioactive, Rap.de











