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So war die Rheinkultur

Rote Bühne, blaue Bühne, Regen [07.07.2008]

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Rheinkultur in Grau
Foto: Florian Weber

Bonn ist verkehrstechnisch traditionell völlig überfordert wenn die Rheinkultur ruft. Das spürt vor allem, wer um 14.10 Uhr den Gig der dänischen Jungspunde Dúné sehen will. Allerdings haben es doch überraschend viele Leute geschafft. Für die Uhrzeit ist schon ganz schön viel los vor der roten Bühne. Dúné wirken noch ziemlich grün hinter den Ohren. Sie grinsen sich gegenseitig an, staksen ungelenk über die Bühne, käbbeln sich, klettern die Traversen hoch. Und das macht sie ungemein sympathisch. Das ganze Bühnenspektakel der sieben Dänen ergänzen gut arrangierte Songs und ein untypisch fetter Sound für die rote Bühne. Die Synthiematten kommen gerade beim Indie-Hit „80 Years“ richtig gut rüber und das Publikum geht trotz praller Mittagssonne anständig ab. In so einem frühen Slot wird man den Ärzte-Support wohl in Zukunft zum Glück nicht mehr sehen.



Verkehrte Welt also bei der Rheinkultur. Rote Bühne mit lautem (!) Sound, Highlights spielen am Anfang, und die Sonne knallt vom Himmel. Emo wirkt bei diesem Gute-Laune-Wetter eher unpassend. Obwohl - wirklich Emo ist es auch nicht, was Eternal Tango da anbieten. Einmal querfeldein durch sämtliche Rockstile. Ein lustiges Von-welcher-Band-ist-das-Lied-geklaut-Spielchen stellt sich ein. Die rote 3D-Kino-Brille vom Sänger und bescheuerte Ansagen Marke „Seid Ihr so heiß oder ist das die Sonne?“ machen es auch nicht besser. Immerhin ein lustiges „Life-Is-Life“-Cover dargeboten (Das war leicht: Opus!), aber auch nur auf Anraten des Labels, wie sie freiwillig zugeben. Schnell weg hier und rüber zur blauen Bühne, denn dort spielen zeitgleich die Trashmonkeys. Und auch hier findet sich eine 3D-Kino-Brille beim Sänger, diesmal in weiß. Einige gehen ein wenig ab, allerdings wird ganz vorne auch im Schneidersitz Mau-Mau gespielt. Festzuhalten bleibt: Es gibt tatsächlich noch Bands die nach dem Gig ihre Instrumente kaputt hauen. Wer hat, der hat.

Im Laufe des Tages stellt sich als Problem heraus, dass auf der roten und blauen Bühne die Bands immer zeitgleich beginnen. Entscheidungsfaule Menschen bewegt das zum hektischen Hin- und Herrennen zwischen den beiden Bühnen mit ständigem Blick auf die Uhr, um von beiden zumindest ein bisschen mitzukriegen. Gut, dass seitens der Festivalorganisation dann immerhin auch solche Bands wie Schelmish und Schandmaul ins Line-up genommen wurden. So hat man wenigstens kein Problem sich zu entscheiden. Parallel zu Schelmish spielt nämlich ein unerwarteter neuer Höhepunkt: Air Traffic. Die Briten passen zwar auch nicht ganz zum Wetter, ziehen die Leute vor der Bühne aber schnell in ihre eigene Welt hinein. Ein mitreißender Chris Wall verausgabt sich beim Singen derartig, dass seine Halsader auch aus 50 Metern Entfernung droht, einem gleich entgegen zu springen. Vor seinem Klavier sitzt er auf einem gerade wie zufällig herumliegenden Case, das ständig droht, wegzurutschen, und zaubert wundervolle Melodien hervor. Unterstützt von der ganzen Band drängen sich Vergleiche mit Muse oder Keane auf, doch eigentlich sind die vier zu eigen für irgendwelche Vergleiche. Wirklich schönes Konzert, das aber wahrscheinlich in einer Halle oder bei Dunkelheit besser aufgehoben wäre.

... weiterlesen: [1] [2]



Text: Florian Weber
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