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So war das Desert Rhythm

Die Wüste lebt [01.11.2007]

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Entspannt: auch die Secus

Dubai ist kein Ort, an dem die realness in einer repräsentativen Hotelsuite zu Hause wäre. In Dubai, so will es scheinen, hat ohnehin niemand sein Zuhause. Bevölkert wird die urbane Wüste am Persischen Golf einzig von der Unrast von Businesstrips, Jetlag-Lethargie und dem öligen Geruch des Petrodollars. Wer hier saufen will, tut dies in Hotelbars. Wer tanzen will, tut das in von Expats bevölkerten Clubs, deren Inneneinrichtung genauso Fassade ist wie die Hotelfront. Es regiert der europäische Disco-Techno, der eigentlich seit den Neunzigern ausgestorben ist.

Eine regelrechte Oase ist daher das Desert-Rhythm-Festival.


Zwischen Ortsteilen wie „Internet City“, „Knowledge City“, inmitten der „Media City“ nimmt sich das Open Air aus wie eine Fata Morgana: Das Gras ist grün, die Stimmung relaxt und das Bier erlaubt. Zu trinken gibt es an Ständen mit der Überschrift „Call 0800-CHEERS“. Vorzuzeigen ist dort beim Kauf von alkoholischen Getränken ein Armbändchen, dessen Aufschrift darüber informiert, dass der Träger über 21 Jahre alt ist. Ausliegende Broschüren warnen vor dem Ungemach, das übermäßiger Genuss von Alkohol nach sich zieht, und sind auch um andere unentbehrliche Ratschläge nicht verlegen: Sonnenmilch benutzen, immer nett und freundlich sein, Schimpfwörter vermeiden und ein Auge auf die Umstehenden haben: Vielleicht gerät ja jemand in Not. In Dubai gibt es (fern vom Finanzmarkt jedenfalls) kaum Kriminalität. Trotzdem ist das Leben hier offenbar gefährlich.

So gefährlich ungefähr wie Mittelschichtsrapper Kanye West, der den ersten Abend des Festivals beschloss. Sein reichlich seriös gehaltenes Outfit – schwarzes Sakko – täuschte über das ausgesprochen bunte Programm hinweg: Die Musik spiegelt die Vielfalt der Bewohnerschaft Dubais wider – der Anteil der autochthonen Bevölkerung liegt bei gerade einmal sieben Prozent. Und so hatte auch Helena Paparizou, die griechische Gewinnerin des European Song Contest 2005, gute Chancen, Landsmänner im Publikum begrüßen zu können. Ein Heimspiel erlebten auch die in Ehren ergrauten Herrschaften von Madness, deren präzises Set die musikalischen Gehversuche von Black Violin konterkarierte, die der Ansicht waren, HipHop und Geigenspiel seien unbedingt paarungswillig. Der so entstehende Bastard mutete ein wenig an wie Rondo Veneziano meets Rap. Unverständlich blieb, weswegen diese Combo am zweiten Tag noch einmal auftreten durfte.

Der zweite Tag stand im Zeichen des Hinfiebern auf die Headliner-Gigs von Joss Stone (die noch kein Bier trinken durfte) und Mika. Vor allem erstere wusste mit charmantem Retro-Soul nicht schlecht zu beeindrucken: Ihre Live-Band spielte erstklassig, drängte sich aber nicht in den Vordergrund und ließ Joss Stone – barfuß auf einem mitgebrachten Teppich tanzend – eine Menge Raum, sich zu entfalten. Ihre Ansagen, in denen sie die Vorzüge der Liebe pries, wirkten noch ein wenig kindgerecht. Aber trotzdem hatte man das untrügliche Gefühl: Joss Stone wird noch eine richtig Große.

Und schon senkte sich wieder tiefe Nacht über Dubai. Hasten musste der, der noch einen Absacker in der Hotelbar trinken wollte, Sperrstunde wird dort groß geschrieben. Entschlummern konnte man dank des Desert Rhythm dann aber in der Gewissheit: Die Wüste lebt.

Wer auch mal zum Rocktourismus nach Dubai reisen will, sollte sich schon einmal das Wochenende um den 07. und 08. März kommenden Jahres vormerken. Da wird die Wüste nämlich kräftig von der härteren Gangart des Rocks durchgepflügt. Das Desert Rock konnte zum Beispiel in diesem Jahr mit Größen wie Iron Maiden, Prodigy, Incubus und den Children Of Bodom aufwarten. Das Line-up 2008 wird in Kürze bekannt gegeben. Weitere Infos gibt es auf der Festivalwebsite.



Text: Sebastian Siegmund
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