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So war Rock am Ring:

Papstkuttenträger und Rampensäue [07.06.2007]

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Billy Corgan auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz

„Die letzte Bastion postmoderner Hippies: das Open-Air-Rockfestival – verschlammte Hosen, Heiserkeit, Heiterkeit und Musik bis zum Umfallen. In Oasen wie der Diesel-Lounge rockten sich heiser: Natalia Avalon, Wotan Wilke Möhring, Jessica Schwarz und Eva Padberg.“ So liest sich das, wenn ein Celebrity-Magazin wie die deutsche Vanity Fair über ein Event wie den Rock am Ring berichtet. Da ist man doch fast geneigt, zu schreien: „Verdammt! Musik gab’s auch!“ Aber klar, man kann sich als VIP-armbereifter Pressemensch oder C-Promi auf dem Rock am Ring auch drei Tage in irgendwelchen gedimmten Lounges mit Freedrinks, Fingerfood to go und schlechter Electromucke beschäftigen. Denn für dieses Wochenende ist er Nürburgring einfach der place to be – für Prominenz und Rockpresse ebenso wie für den Musikfan.

Natürlich muss man sich auf diese Mammutveranstaltung einlassen. 85.000 Leute auf einem fast komplett asphaltierten Gelände – da schluckt so mancher Musikfan, der es eher gemütlich mag. Andererseits: Gerade bei Dauerregen wie am ersten Festivaltag zeigt das Gelände seine Qualitäten. Und, wohl der wichtigste Pluspunkt: Das Line-up ist einfach schwer zu toppen. In diesem Jahr gab es gleich mehrere Auftritte, die schon im Vorfeld den Stempel „historisch“ verpasst bekommen hatten. So zum Beispiel die Livepremiere der halben Smashing Pumpkins auf der Hauptbühne am Samstag. Halb, weil nur Billy Corgan und Drummer Jimmy Chamberlin von der Stammbesetzung dabei waren, was manchen glatt freute. „Gut, dass der Iha weg ist, jetzt haben die endlich einen fähigen Gitarristen“, war nur ein Statement aus dem Publikum. Corgan setzte derweil auf einen pathetischen Auftritt. Nach einem ewig klimpernden Intro vom Band betrat man komplett in Weiß die Bühne. Corgans Designer hatte sich offenbar an der Papstmode orientiert und die Beinfreiheit eines Ku-Klux-Clan-Gewandes hinzugeschneidert (siehe Foto). Sah ein wenig panne aus, aber als dann „Tonight“ ertönte war plötzlich alles wieder gut. Trotzdem wurden die neuen, teilweise sehr komplexen Songs vom Publikum ein wenig kritisch beäugt.


Etwas lauwarm fiel die deutsche Festivalpremiere der White Stripes aus. Was nicht an dem dem White-Duo lag, das mit gewohnter Leidenschaft und der üblichen Zurückhaltung in Sachen Publikumsansagen sein Ding machte, sondern an der Crowd vor der Alternastage. Da wurde zwar geklatscht, auch mal lauter, aber nur selten. Konnte aber auch daran gelegen haben, dass die Band erst kurz nach Mitternacht los legte. Lediglich die „Seven Nation Army“ riss auch die letzten Schnarchnasen noch mal auf die Beine. Leider reichte die Kraft nicht mehr, um noch eine Zugabe zu erjubeln.

Publikumsgewinner waren derweil die Bands, die man gut in die Partykategorie packen konnte. Das Publikum, das oft schon gut betankt vom Campingplatz zum Ring strömte, ließ sich ohne erkennbare Gegenwehr von Jan Delay und seiner Funkcombo Disko No. 1 mitreißen. Über den Hanseaten herrschen ja geteilte Meinungen, live ist er einfach eine unwiderstehliche Rampensau. Auch bei weniger bekannten Acts funktioniert das Partyprinzip, so gesehen bei den Zigeuner-Punks Gogol Bordello, die mit abgedrehter Liveshow schon zur Mittagszeit zu gefallen wussten.

Im großen Stil sorgten die Beatsteaks und Die Ärzte für beste Unterhaltung, die man als Fan und Nichtfan gleichermaßen abfeiern kann. Gerade bei ersteren klappte schon mal der Unterkiefer runter, wenn man gut 60.000 Menschen springen sah. Dass die Beatsteaks mal so riesig werden, hatte man damals, als man sie auf dem Stemweder Open Air gesehen hatte, zwar gehofft – aber wirklich dran geglaubt hätte man nicht.

Was man sonst noch sehen konnte: Linkin Park waren gleichzeitig die lauteste und langweiligste Band … Slayer war die Doublebass ein wenig verrutscht … Billy Talent waren die befeiertsten Schreihälse… 30 Seconds To Mars fantastisch geschminkt, aber musikalische Unterschicht… die Kaiser Chiefs wieder mal in Königsform. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die anfangs zitierte Vanity Fair hatte sich aber ebenso ein wenig mit der Musik befasst – das muss man ihr fairerweise zu gestehen. Hier also die zweite Hälfte der Rock-am-Ring-Kritik: „Die Beatsteaks lieferten die beste Show, der Auftritt von Jared Leto und seiner Band 30 Seconds To Mars blieb eher wegen des größenwahnsinnigen Auftretens und eigenwilligen Stils (Kajalaugen, Blocksträhnen, weißer Anzug) in Erinnerung.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.



Text: Daniel Koch
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